Was würden Sie machen, wenn Sie nichtsahnend von der Arbeit nach Hause kommen und Ihre Wohnung versinkt im Chaos, es sieht nach Umzug aus. Von Frau und Kind keine Spur. Auf dem Küchentisch finden Sie einen Zettel: „Der Kleine ist bei der Nachbarin. Hole ihn ab!“ Das klingt ganz schön beängstigend, oder? Viele Fälle, die mir erzählt wurden, sind so oder noch viel dramatischer verlaufen. Dieses Kapitel ist also kein besonders heiteres. Es hat mit Tränen, Trennung, Schmerz und Schock zu tun. Und doch gehört es hierher. Denn damit fängt alles an.

Lars (37) aus Heidelberg hat es so erlebt: Die Ehefrau fährt in Urlaub – und kommt einfach nicht zurück. Der alleinerziehende Vater (mit Sohn Tim , 7) erinnert sich: „In unserer Beziehung kriselte es, wir hatten uns irgendwie ‚entliebt‘, alles war anstrengend und belastend geworden. Meine Frau schlug vor, einmal alleine in Urlaub zu fahren. Für zehn Tage nach Lanzarote. Sie wolle durchatmen, sagte sie. Weg von allem und einen klaren Kopf bekommen. Ich bin selbstständiger Versicherungsvertreter und kann mir meine Zeit einigermaßen einteilen. Tim war damals fünf Jahre alt und vormittags sowieso im Kindergarten. Also ließ ich meine Frau ziehen. Ich hoffte wirklich, dass nach dem Urlaub zwischen uns alles wieder besser laufen würde. Aber nach einer Woche bekam ich eine E-Mail von ihr. Sie schrieb, sie werde vorläufig nicht wiederkommen und ich solle mich alleine um Tim kümmern. Mir zog es den Boden unter den Füßen weg. Ich versuchte, sie anzurufen, schrieb E-Mails – ich erreichte sie nicht mehr. Sie tauchte für zwei Monate völlig ab, erst dann meldete sie sich wieder. Inzwischen weiß ich, dass sie mit ihrem neuen Lebenspartner auf Gomera lebt. Sie schwört, dass sie unseren Sohn liebt, aber sie könne nicht zu mir zurück. Das ist jetzt alles fast zwei Jahre her. Nächsten Monat ist der Scheidungstermin, zwischendurch hat sie Tim nur zweimal gesehen.“


Für viele Männer, die zu alleinerziehenden Daddys werden, beginnt dieser neue Lebensabschnitt überraschend, manchmal sogar schockartig. Während Frauen sich den Schritt, alleine mit Kind zu leben, oft lange und gründlich überlegen – manchmal jahrelang – sind Männer fast immer spontan und unvorbereitet mit der neuen Situation konfrontiert. Der Weg, den die Partnerin aus der Beziehung wählt, kann ganz unterschiedlich sein, fast immer aber geschieht es überraschend: Mal lässt die Ehefrau oder Lebenspartnerin radikal ihr altes Leben zurück, zieht zu einem anderen Mann und hat in dem Moment auch kein Interesse mehr an den Kindern.
Oder sie flüchtet aus der Beziehung, sucht Hilfe bei Freundinnen, Eltern, Therapeuten. Der Zustand „alleinerziehender Vater“ wird also häufig von der Mutter herbeigeführt. Selten sind die Fälle, in denen ein Vater vor Gericht um seine Kinder kämpft und diese – gegen den Willen der Frau – zugesprochen bekommt. Denn die Gerichte entscheiden im Zweifelsfall immer noch sehr traditionell, also für die Mutter.

Im Buch:
– Der Tag X steht nicht im Kalender
– Der Kampf um das Kind
– Tipps zur Verarbeitung des ersten Schocks

Buch bestellen